Archiv für April, 2010

Warum nicht… Kapitalismus abschaffen!

Posted in Politik, Zeitgeschehen on 30. April 2010 by Basti

Für die soziale Revolution weltweit!

Auch wenn sich dieses Mal keine Faschisten auf Nürnbergs Straßen trauen, so heißt es doch: Heraus zum 1. Mai! Denn Antifaschismus ist mehr als nur „Gegen Nazis!“ Antifaschismus bedeutet auch immer Kampf gegen die gesellschaftlichen Verhältnisse!

Dafür stand und dafür steht der 1. Mai! Nicht nur die Wut wird an diesem Tag auf die Straße getragen, auch die Perspektive, eine andere, eine bessere Welt zu erschaffen! Die Perspektive, an jeder Schule, an jeder Uni und in jedem Betrieb eine Welt zu erschaffen, in der wir kollektiv nach den Bedürfnissen aller arbeiten.

Wir haben die Chance, für unsere Zukunft zu kämpfen! Wir haben die Chance, unsere Zukunft selbst zu gestalten!

Deshalb: Heraus zum 1. Mai – Für die soziale Revolution weltweit!

Weitere Infos (gesamter Aufruf, Demotroute, Veranstalter) gibt es hier.

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…denn die Straßen gehören uns!

Posted in Politik, Zeitgeschehen on 29. April 2010 by Basti

Ein war­mer Som­mer­tag. Am strah­lend blau­en Him­mel ist keine Wolke zu sehen. Von der nahen Wiese riecht es an­ge­nehm nach Blu­men. Ei­ni­ge Schü­le­rIn­nen kom­men ge­ra­de aus der selbst­ver­wal­te­ten Ge­samt­schu­le, in der sie ohne Kon­kur­renz­druck nach ihren ei­ge­nen In­ter­es­sen ler­nen. Plötz­lich durch­bricht ein lau­tes La­chen die Idyl­le und ein ein­deu­ti­ger Duft macht sich be­merk­bar. Des­sen Quel­le ist nicht schwer zu lo­ka­li­sie­ren: Mit­ten im Stadt­park sit­zen ein paar Ju­gend­li­che und las­sen in aus­ge­las­se­ner Stim­mung einen Joint krei­sen. Ei­ni­ge Meter wei­ter sitzt ein etwas äl­te­res Grüpp­chen, trinkt Rad­ler und Ap­fel­saft­schor­le und ist ge­ra­de dabei den Grill an­zu­zün­den. In der ver­ge­sell­schaf­te­ten Fahr­rad­fa­brik sit­zen die Ar­bei­te­rIn­nen zu­sam­men um die nächs­ten Her­stel­lungs­schrit­te und was sie dafür be­nö­ti­gen zu pla­nen. Auf den Stra­ßen in der Stadt geht es etwas tur­bu­len­ter zu: Men­schen tan­zen zur Musik von Stra­ßen­bands, Kids malen mit Stra­ßen­mal­krei­de ein bun­tes Graf­fi­ti an die letz­te graue Haus­wand, das zur abend­li­chen Party in der ehe­ma­li­gen Po­li­zei­wa­che ein­lädt und Klein­kin­der ver­an­stal­ten mit Spritz­pis­to­len eine wilde Was­ser­schlacht. Wäh­rend das selbst­ver­wal­te­te Ci­ty-​Ki­no in kol­lek­ti­ver Ar­beit end­lich grund­sa­niert wird, hat sich nur ein Eck wei­ter auf der Frei­heit eine große An­zahl von Men­schen ver­sam­melt, die ge­mein­sam über an­ste­hen­de Ent­schei­dun­gen in ihrem Stadt­teil dis­ku­tie­ren.

Es ändert sich doch sowieso nichts? Kann sein. Der, der mit einer derartigen Einstellung durchs Leben geht, hat aber von Anfang an verloren! So wird man nie etwas erreichen!

Hört sich utopisch an? Kann sein. Trotzdem lohnt es sich dafür zu kämpfen!

Deshalb: Heraus zur antikapitalistsichen und antifaschistischen Vorabenddemo in Fürth! Denn die Straßen gehören uns!

Die Straßen gehören uns, und nicht Faschisten, die sich in unserer Gesellschaft immer weiter ausbreiten, während Staat und Polizei weiterhin wegschauen!

Die Straßen gehören uns, und nicht Politikern und Medien, die gerade in Krisenzeiten versuchen, Vorurteile zu nutzen und zu schüren, um die Schuld auf Sündenböcke zu schieben!

Die Straßen gehören uns, und nicht den politischen Eliten, die Massenentlassungen, Lohnkürzungen und Einsparungen vornehmen!

Kapitalistische Verhältnisse überwinden – Für die befreite Gesellschaft!

Weitere Informationen (kompletter Aufruf, Termine, Link zum 1.-Mai-Aufruf) gibt es hier.

Danke Chosen Few, danke HSV Supporters-Club!

Posted in Fußball, Glubb on 29. April 2010 by Basti

Anlässlich des Glubb-Spiels in Hamburg haben sowohl die Chosen Few, als auch der Hamburger Supporters-Club diese Meldung auf ihren Websites veröffentlicht:

Glubberer im Stadion

Wie ihr sicher alle mitbekommen habt, wird der Gäste-Stehblock am Samstag leer bleiben. Der DFB hat diese Sanktion gegen den Nürnberger Anhang ausgesprochen, nachdem es beim Bundesligaspiel Bochum gegen den FCN zu einigen Verletzten durch eine Pyroaktion gekommen war. Dieser Unfall hätte natürlich nicht passieren dürfen und allen Verletzten gilt unser Mitgefühl. Allerdings finden wir die pauschale Verurteilung aller Nürnberger Auswärtsfahrer mehr als unangebracht. Auch, wenn Nürnberg am Samstag unser Gegner ist, alle Nürnberg-Fans sind bei uns herzlich willkommen. Egal ob Nürnberg, Bremen oder sonst wer, jeder Gästeanhang bekommt bei uns die Chance, seine Mannschaft zu unterstützen!

Wir möchten alle Hamburger drauf hinweisen, dass der Nürnberger Anhang sich wahrscheinlich in den Bereichen rund um den Gästeblock niederlassen wird. Bitte bedenkt die außergewöhnliche Situation und reagiert besonnen, wenn ein Nürnberg-Fan neben euch stehen/sitzen sollte. Nehmt es den Leuten nicht übel, wenn sie mit Emotionen und Leidenschaft bei der Sache sind – im Gegensatz zu uns geht es für den “Glubb” noch um eine ganze Menge!

Fußball lebt durch seine Fans – egal in welchen Farben!

Auch von mir geht ein herzliches DANKESCHÖN an die Elbe. Dieser ungewöhnliche Schritt zeigt einmal mehr, dass Solidarität unter Fans immer noch groß geschrieben wird!

Darf ich für die Bayern jubeln?

Posted in Fußball on 28. April 2010 by Basti

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Bayern München steht im Finale der Champions League. Bayern München! Im Finale! Der Champions League! Wer dies vor einem Jahr vorausgesagt hätte, den hätte man in eine geschlossene Anstalt gesteckt und nie wieder heraus gelassen.

Und jetzt? Bayern spielte gestern eine überragende Partie gegen überforderte Franzosen. Und steht, ohne Frage berechtigt, im Finale der Königsklasse. Da stellt sich für mich als Glubb-Fan eine Frage: Darf ich für die Bayern jubeln?

Natürlich freue ich mich, wenn eine deutsche Mannschaft, sei es nun der FC Bayern, der HSV oder wer auch immer, in einem europäischen Wettbewerb teilnimmt und dann auch noch weit kommt. Die Fünf-Jahres-Wertung der UEFA ist ja schließlich nicht ganz unwichtig. Womit wir beim Punkt wären: Durch den Sieg der Bayern gestern holte Deutschland 0,5 Punkte in der UEFA-Rangliste und überholte somit Italien. Die Konsequenz ist, dass ab der Saison 2011/2012 ganze 4 (!) Champions-League-Startplätze zur Verfügung stehen. Drei Mannschaften sind sofort qualifiziert, eine vierte kann über die Relegation in den europäischen Wettbewerb rutschen. Für den deutschen Fußball ist das natürlich super und deshalb ist es egal, welche Mannschaft antritt, sei es nun der FC Bayern, der HSV oder wer auch immer.

Könnte man meinen. Der Glubb-Fan in mir sagt aber: Es sind halt doch die Bayern. Die verhassten Roten aus der Landeshauptstadt. Wenn ich mich im Derby in den Nürnberger Block stelle und voller Überzeugung ein „Tod und Hass dem FCB“ heraus schreie, dann ist es nur konsequent, wenn ich hoffe, dass die „Scheiß-Bayern“ auch in der Champions-League versagen und (möglichst früh) ausscheiden.

Und so sehe ich den Halbfinaltriumph mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Schön für den deutschen Fußball, weniger schön für den Glubb-Fan.Aber ich habe einen Kompromiss gefunden: Ich freue mich einfach auf schönen Fußball mit schönen Toren. Auf Spitzenfußball von den besten Mannschaften Europas. Dann kann ich mich auch damit abfinden, dass die Bayern im Finale stehen. Und vielleicht am 22. Mai in bisschen jubeln…

Glubb – Dortmund 2:3

Posted in Fußball, Glubb on 25. April 2010 by Basti

Langsam wird es eng. Richtig eng. Nach dem dritten verlorenen Spiel in Folge (und dem Sieg von Freiburg) steht der Glubb nun auf Platz 15, punktgleich mit Platz 16 und weiterhin nur einen Punkt vor Platz 17. Einzig und allein die Tatsache, dass die direkten Konkurrenten Berlin, Bochum und Hannover ebenfalls verloren haben, macht ein bisschen Mut. Und doch: Ein ungutes Gefühl bleibt. Denn der Glubb hat es weiterhin selbst in der Hand – eine Ausgangsposition, die in der Vergangenheit allzu oft verspielt wurde.

So auch am Samstag, als der Glubb im sonnendurchfluteten Fankenstadion gegen den „Ballspielverein Barrios 09 Dortmund e.V.“ antrat. Jener Lucas Barrios war es, der drei Mal gegen eine Nürnberger Mannschaft traf, die vieles richtig, aber eben auch vieles falsch machte. Richtig war es zum Beispiel, auf den angeschlagenen Wolf zu verzichten und dafür Harvard Nordtveit in die Viererkette zu beordern. Genauso richtig war es, mit Mickael Tavares einen zweiten „Sechser“ auf den Platz zu stellen – Andi Ottl machte seine Sache in den letzten Partien zwar gut, wirkte aber oft überfordert.

Falsch war es, in der 27. Minute das erste Mal nicht auf Lucas Barrios aufzupassen. Dieser musste nach einem Nuri-Sahin-Freistoß nur noch den Kopf hinhalten, um die Führung zu erzielen. Richtig war es dagegen, sich nicht wie im Hinspiel aufzugeben, sondern nachzulegen. Denn der Glubb war Dortmund ebenbürtig, erarbeitete sich Chancen und wurde belohnt. Mike Frantz machte mit dieser Einstellung in der 30. Minute alles richtig, als er sich in Messi-Manier gegen drei (!) Dortmunder Verteidiger durchsetzte und den Ausgleich schoss.

Vieles, aber eben nicht alles richtig machte in der 54. Minute auch Choupo-Moting, dessen Seitfallzeiher von BVB-Keeper Weidenfeller gehalten wurde. Wieder alles falsch machte dagegen die Glubb-Abwehr in der 62., sowie in der 78. Minute. Barrios überrannte die Abwehr nach individuellen Fehlern (Maroh, Nordtveit) und überwand auch Schäfer problemlos.

Die Tatsache, dass Christian Eigler in der 83. Minute auch einmal etwas richtig machte, sorgte dafür, dass wenigstens das Torverhältnis geschont wurde. Geholfen hat es trotzdem nichts, der Treffer zum 2:3 war auch der letzte in einem Spiel, dass entweder den Anfang vom Ende oder das letzte ärgerliche Ergebnis in dieser Saison werden könnte. Langsam wird es eng. Richtig eng. Doch der Glubb hat es, wieder einmal, noch immer selbst in der Hand…

Farin Urlaub, der Arzt meines Vertrauens.

Posted in Bands, Musik on 23. April 2010 by Basti

Nach Nu-Metal und Love-Metal nun ein Schritt Richtung softerer Musik. Wir bleiben allerdings in der Rock-Abteilung, es ist nun mal eher meine Musik, als Hip-Hop oder gar Volksmusik. Band-Vorstellung, Teil 3 gehört ganz und gar einem Mann, der mit gleich zwei Bands erfolgreich ist. Farin Urlaub heißt der Mann, seines Zeichens Sänger/Gitarrist bei den „Ärzten“ und Kopf/Sänger/Gitarrist seiner eigenen Band, dem „Farin Urlaub Racing Team“ (FURT).

Geboren wurde Farin Urlaub als Jan Vetter im Oktober 1963 in Berlin-Moabit. Die ersten sechs Jahre seines Lebens verbrachte er dort, laut eigenen Worten „[…] in einer WG, die wir mit zwei tunesischen Studenten und einem Haufen Hippies teilten […]“. Und schon in diesem Zeitalter kam Jan in Kontakt mit Musik: Seine Mutter war zwar selten daheim, wenn sie es aber war, ertönten meistens Platten von den Beatles im Hause Vetter. Nach der Geburt seiner Schwester und dem Umzug nach Frohnau entschloss er sich, selbst zu musizieren und nahm Gitarrenunterricht.

Das Problem: Seine Eltern hatten sich, obwohl sie nicht viel Geld verdienten, ein Haus geleistet, im damals zweitreichsten Bezirk Berlins. Die Folge: Wenig Taschengeld für Jan und seine Schwester. Die Lösung: Seine erste Gitarre fand Jan auf dem Sperrmüll und lernte sie, trotz dem desolaten Zustand, spielen und lieben.

Seine ersten musikalischen Schritte machte er bei einer älteren Dame in der Nachbarschaft, „die […] damals schon 147 Jahre alt [war], circa“. Mit 12 Jahren fuhr er das erste Mal mit den „Falken“ ins Sommerzeltlager. Eine wertvolle Erfahrung, nicht nur, dass dort den ganzen Tag „gekifft und gebumst“ (Farin Urlaub) wurde, sondern es waren auch immer ein paar Teilnehmer dabei, die eine Gitarre und das nötige Basiswissen dabei hatten. In dieser Zeit fasste Jan den Entschluss, später auf der Bühne vor Publikum zu spielen.

Zeitgleich besuchte Jan natürlich auch eine Schule, bereits mit 5 Jahren wurde er eingeschult. Trotz einer Empfehlung für die Realschule ging Jan auf das Gymnasium, absolvierte zunächst ein Probe-Halbjahr und 1981 sein Abitur.

1980 war dann das erste entscheidende Jahr im Leben von Jan Vetter: Eine Klassenfahrt nach London stand an, zurück kehrte er als Punk mit geschnittenen und gebleichten Haaren. Auch in der Plattensammlung setzte sich diese Musik durch. Ein Punk im geplegten Frohnau (Farin: „Mercedes vor der Tür, Gardinen vor den Fenstern und Frau und Kinder im Keller verprügeln: Das war Frohnau!“) – zu dieser Zeit unvorstellbar, und dennoch, Jan Vetter ging seinen Weg, auch wenn ihm sein Musiklehrer nach dem Abitur riet: „[…] egal was du später mal machst, mach nichts mit Musik.“

Er missachtete diesen – sicherlich gut gemeinten – Rat, als er 1981 im „Ballhaus Spandau“ auf Dirk Felsenheimer traf und in dessen Band „Soilent Grün“ eintrat. Bereits ein Jahr später löste sich diese Band allerdings auf und Jan Vetter gründete mit Dirk Felsenheimer und Hans Runge die Band „Die Ärzte“. Den Namen „Farin Urlaub“ wählte er, als es darum ging, sich ein Pseudonym zu erschaffen. Sein Künstlername ist die zusammengezogene Floskel „Fahr in Urlaub“, dem Lieblingshobby Vetters. Felsenheimer hieß ab sofort „Bela B“, Runge nannte sich „Sahnie“.

Im Jahr 1988, als die Ärzte auf dem Höhepunkt ihres Erfolges waren, lösten sie sich auf und Urlaub gründete 1989 die Band „King Køng“. Diese blieb jedoch nicht lange bestehen, bereits 1999 erklärte Urlaub sie für aufgelöst. 1993 war bereits das glücklichste Jahr für alle Ärzte-Fans, die Band startete eine Wiedervereinigung, seitdem hält man sich im nationalen und internationalen Geschäft.

Jedoch gab und gibt es immer wieder Pausen bei der Hauptband Urlaubs, damit er sich seinem Solo-Projekt widmen kann: 2001 gründete er das „Farin Urlaub Racing Team“, das ihn bei den Live-Auftritten seiner Alben „Endlich Urlaub“ (2001) und „Am Ende der Sonne“ (2005) begleitete. Die „Sonnenblumen-of-Death-Tour“ im selben Jahr wurde derart erfolgreich, dass sich Urlaub entschloss, 2006 das „Livealbum of Death“ auf den Markt zu werfen. Alle drei Alben klingen sehr nach den Ärzten, Urlaub leugnete diese Tatsache auch nie. Andererseits betonte er immer wieder, dass er in seinem Solo-Projekt versuche, persönlichere und aktuellere Lieder zu schreiben, während sein Anspruch bei den Ärzten sei, möglichst zeitlose und lustige Songs zu erschaffen.

Nach diesem Album wurde es ruhig um den Berliner, erst 2008 meldete er sich zurück, sein neuestes Album heißt „Die Wahrheit übers Lügen“ und ist unterteilt in ein großes Album mit 11 Tracks, sowie ein kleines Album mit 4 Songs. Auf dieser Scheibe zeigt sich die Experimentierfreude Urlaubs: Neben den bekannten Punk-Tönen, kann man immer wieder auch Ska, Reggae und Dancehall heraushören. Wann es neues von Farin Urlaub zu hören gibt, steht noch in den Sternen, eigens die Info, das am 11. Juni nach über einem Jahr die nächste Single („Zu heiß“) veröffentlicht werden wird, ist bestätigt.

Mehr Informationen bekommt der interessierte Leser entweder auf der Ärzte-Homepage, oder auf der Website von Farin Urlaub. Darüber hinaus möchte ich allen das Buch „die ärzte – Ein überdimensionales Merrschwein frisst die Erde auf“ ans Herz legen. Auf 480 Seiten erfährt man alles über die beste Band der Welt, und die Typen dahinter.

Wer ist besser: Blümchen oder Mehrzad?

Posted in Musik, World Wide Web, Zeitgeschehen on 19. April 2010 by Basti

Oder: Wieviel Macht hat das Internet?

Kaum steht er fest, der neue „Superster“ der RTL, schon regt sich Widerstand. Nachdem Mehrzad Marashi am Samstag Abend seinen überraschenden Triumph über Menowin Fröhlich feiern durfte, steht im nun eine andere Überraschung ins Haus. Wie verschiedene Zeitungen und dieser Blogartikel berichten, wollen Gegner der Castingshow jetzt via WWW verhindern, dass der Titel „Don’t believe“ zum Verkaufsstart auf Platz 1 der Singlecharts schnellt.

Dass bisher jeder DSDS-Siegertitel die Spitzenposition inne hatte, scheint die Macher hinter dem Boykott nicht zu irritieren, sondern nur noch mehr zu motivieren. Und auch ein Vorbild existiert. In England schaffte eine ähnliche Idee im Winter 2009 die Sensation: „Killing in the Name“ von Rage Against The Machine wurde von rund 500.000 Briten gekauft und konnte sich so noch vor den Gewinner des Formats „The X-Factor“ an die Spitze der Charts setzen.

Das besondere an dem Rage-Against-The-Machine-Song: Er ist 15 (!) Jahre alt. In Deutschland wird nun versucht, mit einem vergleichbar alten Lied eine vergleichbare Wirkung zu erzielen. Hierzulande soll es Jasmin Wagner richten. Die 29-jährige, wahrscheinlich besser bekannt unter ihrem Pseudonym „Blümchen“, feierte 1996 mit „Boomerang“ (hier reinhören) einen Top-Ten-Hit in vielen europäischen Ländern. Und könnte nun, kurz vor ihrem 30. Geburtstag wieder in den Charts stehen. Ihr Kommentar zu der Boykott-Akion: „Ich beobachte das momentan und find es ganz spannend und amüsant.“

Das Problem an der deutschen Variante ist folgendes: Auf Facebook und meinVZ wird die Aktion kräftig promotet, allerdings existiert auf Facebook noch eine andere Gruppe, die dazu aufruft, den Led-Zeppelin-Klassiker „Stairway To Heaven“ als Boykott-Song zu kaufen. Obwohl Led Zeppelin natürlich besser ist als Blümchen, finde ich die Variante mit Blümchen besser, da sie schlicht und einfach absurder ist.

Wenn sich die beiden Gruppen allerdings nicht bald einigen, könnten RTL und Mehrzad Marashi am Ende die lachenden Dritten sein: Die kaufgeilen DSDS-Fans warten bestimmt schon sehnsüchtig darauf, am 23. April den Sieger-Song laden bzw. kaufen zu können. Die Protest-Bewegung  muss sich also besser organisieren, sonst nehmen sie sich noch gegenseitig die Downloads weg.

Es geht also wieder einmal um die Frage: Wie viel Macht hat das Internet? Ich bin gespannt auf das Ergebnis und hoffe irgendwie, dass Blümchen an die Spitze der Charts geladen oder gekauft wird.